People in Motion e.V. Alzenau - Projekte für Menschen

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Eritrea: Ein Brunnen für Adi Zamer


Mittwoch, 2. September 2009 – Am späten Nachmittag sind wir auf dem Rückweg von Dekamhare, wo wir die Faith Mission-Schule besucht haben: sieben Leute vom Verein Aufbau Eritrea e.V. und unser Fahrer Siraj. Es ist später geworden als wir geplant hatten. Seit drei Uhr nachmittags steht Michele an der Straße neben der Wekerti-Schule und wartet in der brütenden Hitze auf uns, um uns den Weg in sein Dorf zu zeigen. Wir rücken in Sirajs Jeep zusammen und Michele steigt ein.


Michele ist einer der Dorfvorsteher von Adi Zamer, dem Dorf, wo wir den Bau eines Brunnens finanzieren. - Und dorthin wollen wir jetzt.


Wir biegen von der asphaltierten Straße ab. Mit dem Jeep holpern wir auf einem Feldweg durch eine von der Regenzeit grüne Landschaft. Wie anders habe ich die Landschaft vom vorigen Jahr in Erinnerung. Damals im Februar war alles trocken, die Erde rotbraun und staubig.

Nach etwa einer Viertelstunde geht es nicht mehr weiter. Wir lassen den Jeep stehen und steigen alt src=zu Fuß einen steilen und durch Geröll ziemlich rutschigen Abhang hinunter in eine Senke. Die grünen Wiesen ringsherum und die vielen kleinen Parzellen, auf denen der Mais in vollem Wachstum steht, sind ein herrlicher Anblick. Die Menschen arbeiten auf den Feldern und vor allem die Kinder kommen neugierig herbei, um zu sehen, was für ein seltsamer Trupp Europäer da heranmarschiert.


Begleitet von den Dorfältesten laufen wir noch ein Stück weiter und kommen an eine Betonplatte, auf der eine Schwengelpumpe montiert ist - der Brunnen des Dorfes. Mit dem Brunnen erhofften sich die Bewohner von Adi Zamer, vor allem in Trockenperioden Zugang zu sauberem Trinkwasser zu haben. Fünfzehn Meter tief hatten sie hier gegraben, bis sie endlich Wasser fanden. Doch der Traum vom eigenen Brunnen währte nicht lange. Mit dem Ende der Regenzeit und dem Absinken des Grundwasserspiegels versiegte das Wasser im Brunnen. Der Kampf um das tägliche Überleben begann von Neuem.


Wasser ist ein knappes Gut in Eritrea, einem Land, wo selbst in der Regenzeit oft nicht ausreichend Regen fällt. In den langen Dürreperioden sind die Menschen stundenlang unterwegs auf der Suche nach Wasser. Glücklich können sich diejenigen schätzen, die Zugang zu einem Brunnen haben.

Die Männer erzählen uns vom vergangenen Sommer, einem extrem trockenen Sommer ohne Wasser. Die Kinder, so erzählt Michele, waren so geschwächt, dass sie nicht einmal mehr zur Schule gehen konnten. So einen Sommer wollten sie nie mehr erleben müssen.


altDie Dorfältesten von Adi Zamer hatten von dem großen Staudamm-Projekt bei Wekerti gehört, das der Verein Aufbau Eritrea e.V. begonnen hatte. In der Hoffnung, dass der Verein auch Ihnen helfen könnte, fassten sich ein Herz und baten Kidan Zerm um Unterstützung für den Bau eines neuen Brunnens.

Der Bau eines Brunnens ist kostspielig: Baumaterial wie Zement und Steine sind sehr teuer in Eritrea, das kaum über eigene Industrie verfügt und Material teuer importieren muss. Dazu kommt der Transport in die entlegenen Gebiete. Allein könnte Adi Zamir das Geld nicht aufbringen.


Nachdem Kidan Zerm die Zusage der Kinderhilfe Eritrea e.V. und des Vereins People in Motion e.V. hatte, sich mit jeweils der Hälfte an den geschätzten 10.000 EUR Kosten für den Brunnenbau zu beteiligen, stand dem Projekt nichts mehr im Wege.


Entschlossen für das Schicksal ihrer Familien zu kämpfen, fingen die Dorfbewohner mit all ihrer Kraft noch einmal an zu graben. Diesmal nahmen sie die Hilfe eines Geologen in Anspruch, der eine Wasserader und damit eine zuverlässige Stelle für einen Brunnen lokalisierte.

Dann kam die Regenzeit - endlich der ersehnte Regen. Die Arbeiten mussten eingestellt werden. In der Regenzeit macht das Graben eines Brunnens keinen Sinn, da nicht festgestellt werden kann, ob der  Brunnen tief genug ist, um auch in Trockenperioden an das Grundwasser heranzukommen.

 

altAls wir in Adi Zamer ankommen, ist es gerade gegen Ende der Regenzeit. Noch steht eine Pfütze in dem etwa zwei Meter tiefen Loch, das die Dorfbewohner bereits für den Brunnen gegraben haben. Doch schon bald wird das Wasser verschwunden sein. Dann wird der Brunnenbau fortgesetzt.

Voller Dankbarkeit für die Unterstützung verabschieden uns die Dorfältesten von Adi Zamer und laden uns ein wieder zu kommen und mit dem ganzen Dorf zu feiern, wenn der Brunnen fertig ist.


Reisebericht von Susanne Rus (September 2009)


 

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